2019: Wie mein Traum zerplatzte und mein Herz reiner wurde

Im letzten Jahr begleitete mich ein Bibelvers, welchen ich im Neujahrsgottesdienst auf ein hübsches kleines Kärtchen gedruckt erhielt. Er lautete:

„Glückselig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ – Matthäus 5,8

Als ich ihn zum ersten Mal las, war ich mir nicht sicher, ob ich mich freuen, oder Respekt vor dem haben sollte, was mich dem Vers zufolge im neuen Jahr erwarten würde. Ich fragte mich, ob ich schon dieses reine Herz hatte, von dem die Rede war, und was eventuell bevorstehen konnte, damit ich ein reines Herz bekam. Nun ist das Jahr 2019 passé. Ich blicke auf ein Jahr zurück, welches wirklich dazu beigetragen hat, dass mein Herz ein ganzes Stück reiner wurde. Das war mit sehr viel Aufregung und Anstrengung verbunden, aber es hat sich gelohnt!

Delia – die Musikerin

Gott beschenkte mich zu Beginn des Jahres: Meine erste EP wurde veröffentlicht und ich bekam sehr viele Gelegenheiten, um mit meinen Songs auf Bühnen zu stehen, in Wohnzimmern zu spielen und die Geschichten hinter den Songs zu erzählen. Das war anfangs nicht leicht, da ich keine Ahnung hatte, wie man Lieder eigentlich musikalisch anspruchsvoll für eine kleine Band arrangiert. Auch auf der Gitarre war ich noch längst kein Profi. Aber Gott öffnete Türen, an denen ich noch nicht mal geklopft hatte; Auftritte und Gelegenheiten zum Spielen ergaben sich, ohne dass ich etwas dafür tat. Leute kamen mit Anfragen auf mich zu. Ich stürzte mich also in die Welt der Musik hinein und es war richtig erfüllend. Man kann sagen, dass Gott mir das nötige Werkzeug schenkte, um der Aufgabe gerecht zu werden, denn ich bekam wie von alleine so viel mehr Können auf der Gitarre und Wissen über die Materie. Ich fühlte mich unglaublich wohl als Delia – die Musikerin. Zu wohl, denn mein Alltag wurde mir zu gewöhnlich und langweilig. Ich wollte am liebsten immer die kreative Musikerin sein, denn als solche fühlte ich mich wohl und besonders, irgendwie wertvoll. Ich bemerkte gar nicht, dass ich mich fast nur noch über mein Können als Musikerin definierte. Alle anderen Bereiche meines Lebens, meiner Persönlichkeit wurden immer unwichtiger. Ich wollte mehr und entschied mich dazu, mich an einer Musikhochschule zu bewerben. Aber es durfte nicht irgendeine Musikhochschule sein, es musste die Hochschule für Popmusik schlechthin sein, die ich schon seit Jahren im Hinterkopf und vor der ich unglaublichen Respekt hatte. Früher traute ich mir nicht zu, dass ich die harten Aufnahmetests in Theorie und Gehörbildung bestehen konnte. Nun wollte ich aber nichts mehr, als die ganze Zeit Musik zu machen, sogar zu studieren, mich meiner Leidenschaft komplett zu widmen. Also gab ich alles, um diese Tests zu bestehen. Ich lernte, übte, lernte, übte. Und es lohnte sich, denn ich wurde zur Aufnahmeprüfung eingeladen, bestand den Theorieteil und durfte deshalb schlussendlich vorsingen, was die wenigsten schaffen. Ich war mir so sicher, dass ich an diese Musikhochschule gehörte. Ich merkte, dass mein Herz höherschlug, dass ich wie magisch angezogen wurde. Und ich dachte, dass Gott diesen Weg des Musikstudiums mit den verrückten Künstlern und aufregenden Projekten auch für mich im Sinn hatte. Ich erhielt sogar einige Bestätigungen diesbezüglich, die für mich unmissverständlich auf den Weg des Musikstudiums hinwiesen. Aber die Tür blieb verschlossen. Ich erhielt eine Absage. Und ich war am Boden zerstört. Ich war sauer. Enttäuscht. Verletzt. Gekränkt. Entmutigt. Verzweifelt. Perspektivlos.
Ich verstand Gott nicht. Ich war enttäuscht von ihm und zweifelte an, dass er es wirklich gut mit mir meinte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, was gut an meinem gewöhnlichen, langweiligen Leben als Lehramtsstudentin sein sollte. Ich war traurig. Den ganzen Sommer lang.

Wer ich wirklich bin

Ich war traurig, bis Gott mir sagte, dass ich nun wieder aus meinem Loch herauskommen sollte. Es sei okay, zu trauern, aber ich solle wieder fröhlich sein und weitermachen. Ganz ehrlich: Das wollte ich auch von Herzen! Tief drinnen wusste ich nämlich irgendwie, dass nichts ohne Grund passiert und Gott alles gebraucht, um uns ihm ähnlicher zu machen, uns zu ihm zu ziehen. Meine, in meinen Augen, trostlose Situation musste irgendeinen tieferen Sinn haben. Und diesen offenbarte Gott mir auch: Ich erkannte, dass ich mein ganzes Sein an ein Musikerleben gehängt hatte. Ich definierte mich nur noch darüber. Ich dachte, ich könnte nichts wirklich gut, außer Musik zu machen. Aber ich bin so viel mehr als das! Und vor allem bin ich nicht, was ich kann. Ich bin nicht meine Fähigkeiten. Ich bin Delia – Kind Gottes, Jüngerin Jesu. Ausgestattet mit Gaben und Talenten, auf die ich kein Recht habe, die vielmehr Geschenke sind.

„Mir aber sei es fern, mich zu rühmen als nur des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt.“ – Galater 6,14

Ich sollte mich nur dafür rühmen, nur darüber definieren, Jüngerin Jesu zu sein. Das erkannte ich. Ich bat Gott um Verzeihung. Und ich verstand, dass ich dies nicht in meinem Herzen begriffen hätte, wenn ich eine Zusage der Hochschule bekommen hätte. Ich hätte blindlings in meiner Illusion der coolen Künstlerin Delia gelebt und vergessen, worauf es wirklich ankommt. Ein falsches Selbstbild, Selbstbewusstsein wie dieses wäre gefährlich gewesen. Eine tickende Zeitbombe. Sobald der Teil, über den man sich definiert, wegbricht, ist es dahin mit der Selbstsicherheit und Zufriedenheit. Gott hat mich davor bewahrt, mir ein Leben auf dieser falschen Grundlage aufzubauen. Vielmehr hat er mir erneut klargemacht, dass meine Identität als seine Tochter das einzige ist, auf das es sich zu bauen lohnt und auf das ich mich wirklich verlassen kann. Denn, passiere was wolle, dass ich ein Kind Gottes bin, kann mir nichts und niemand nehmen.

Ich bin mir ganz sicher, dass es Gott gefällt, wenn ich Musik für ihn mache und er dies gebrauchen möchte. Das kann auf verschiedene Wege passieren. Dazu muss ich kein neues Leben starten, Musik studieren und permanent von Künstlern umgeben sein. Ich bin froh, dass ich diese Lektion in 2019 gelernt habe und neu definieren konnte, wieso ich Musik mache und wozu sie dienen soll. Ich habe ein neues Bewusstsein für den Umgang mit meiner Gabe bekommen und habe eine klarere Vision. Ich habe ein reineres Herz in diesem Bereich bekommen.

Gott schafft Wege

Mit einer neuen Vision im Gepäck, schrieb ich neue Songs und machte mich auf die Suche nach der Musik, die ich wirklich machen möchte. Dabei beschenkte mich Gott mit Möglichkeiten: Die Zusammenarbeit mit einem sehr talentierten Produzenten. Ein neuer Sound entstand für einen meiner Songs.
Genau diesen Song durfte ich in einer christlichen Fernsehsendung performen. Dass ich diese Möglichkeit bekam, war eindeutig Gottes Werk. Denn nach meiner Aktion mit der Musikhochschulbewerbung, wollte ich bezüglich meines Weges als Musikerin nichts mehr erzwingen. Ich wollte mich ganz auf Gott verlassen. So betete ich eines Abends, dass ich nun nichts mehr von mir aus machen würde. Gott würde mir ganz klare Gelegenheiten zum Auftreten und Musikmachen schenken müssen. Am nächsten Morgen erhielt ich eine Nachricht über Instagram von einem TV-Format, welches mich fragte, ob ich mir vorstellen konnte, in der Sendung zu performen. Und ob ich mir das vorstellen konnte! Ich war total aus dem Häuschen, beeindruckt und voller Ehrfurcht vor Gottes Treue! Gott schaffte wirklich Wege, damit ich Musik machen konnte. Das ist einfach nur cool!

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind“ – Römer 8, 28

Auch wenn meine eigenen Pläne nicht zustande kommen, ist Gott gut. Er führt uns manchmal auf ganz andere Wege, die sogar viel besser für uns sind. Ich preise Gott dafür, dass er mir Gaben geschenkt hat, die ich zu seiner Ehre einsetzen darf. Er schenkt die Gelegenheiten dazu und ich darf gespannt sein, wohin er mich führt. Danke, Herr!

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