Entspannt Single: Der richtige Fokus entscheidet

Single sein ist nicht einfach. Besonders in einer Welt, in der sich alles um Liebe zu drehen scheint. Ob in Büchern, Liedern, Filmen oder auf Social Media: Es geht immer wieder um das tiefste Bedürfnis des Menschen nach Liebe und Anerkennung. An sich ist das weder positiv noch negativ. Schwierig wird es meiner Meinung nach allerdings, wenn ein zu großer Fokus auf Liebesbeziehungen gelegt wird. Wenn es nur noch darum geht, wie, wann und wo man einen Partner findet. Wenn Singles vermittelt wird, dass ihnen ohne Partner etwas fehlt. Dass sie erst vollständig sind, wenn sie ihre „bessere Hälfte“ gefunden haben. Leider passiert das sehr häufig.
Kein Wunder, dass sich dadurch ein großer Druck aufbaut. Schnell drehen sich die Gespräche auf einmal nur noch um die neuesten Entwicklungen auf der Liebesfront. Ratschläge werden ausgetauscht und Pläne geschmiedet:

Habt ihr schon den Neuen in der Gemeinde gesehen?“
„ X und Y haben sich verlobt!“
„Sowieso ist seit letzter Woche mit Blabla zusammen.“
„Es gibt einfach keine
richtigen Männer/Frauen hier. Wir sollten mal in eine andere Church fahren und uns da umschauen.“

Wir müssen lernen, uns zu entspannen

Ich gebe zu, dass auch ich hin und wieder gerne bei solchen Gesprächen dabei bin. Aber eigentlich geht es mir ziemlich auf die Nerven. Denn wir reiten immer wieder auf dem gleichen Thema herum, das uns schon oft genug beschäftigt. Der übertriebene Fokus darauf, einen Partner zu finden, ist ungesund für unser Herz. Statt zusätzlich Salz in die Wunde zu streuen, uns ständig um unsere Sehnsüchte zu drehen, könnten wir unsere Kraft, Zeit und Gedanken mit so viel mehr füllen. Wir müssen lernen, uns zu entspannen und unser Leben zu leben. Trotz, nein, gerade mit Sehnsucht nach Partnerschaft.

Mein persönlicher Struggle mit der Liebe

Die Liebe ist eines der Themen, die mich schon immer am meisten beschäftigten. Früher, damit meine ich die Zeit, bevor ich Jesus kannte, lebte ich dafür, meinen Traumprinzen zu finden. Die Sehnsucht in meinem Herzen war unglaublich groß. Ich datete, verliebte, entliebte mich und genoss dabei den Zauber der Liebe. Ich war eine junge Frau auf der Suche nach Glück, Annahme und Bestätigung. Das alles bekam ich auch bis zu einem gewissen Punkt durch die Aufmerksamkeit von Männern. Aber so richtig erfüllen konnte mich das nicht. Mein Herz blieb immer ein Stück leer. Dann lernte ich Jesus kennen, den Liebhaber meiner Seele. Ich hörte auf mit dem Dating, mit dem pausenlosen Suchen. Ich wollte mich auf Gott fokussieren, statt Kerlen hinterherzujagen.
Am Anfang lief das nicht sofort rund: Ich war nach wie vor von möglichen Partnern, auch in der Christenwelt, begeistert und verliebte mich schnell. Doch das konnte ich mit Gottes Hilfe abstellen. Indem ich wie ein Weltmeister betete, dass Gott mein Herz fest machen würde und zu Gedanken bewusst Nein sagte. Ich lernte mit meiner Sehnsucht umzugehen und übernahm Verantwortung in diesem Bereich. In meinem Kopf und meinem Herzen war nun so viel mehr Platz für Jesus. Ich merkte, dass ich viel freier war. Mein Fokus lag nun auf meiner Beziehung zu Jesus und nicht auf der Partnersuche. Ich schloss einen Bund mit Gott: Ich würde mich erst wieder verlieben, wenn er sein Okay geben würde.

Sitzt du noch auf der Wartebank?

Früher wartete ich krampfhaft darauf, dass mein Prince Charming vorbeikommen und mich mit ins Leben nehmen würde. Ich saß auf der Wartebank – der Platz all jener Singles, die auf ihr Ziel Partnerschaft hinfiebern und dabei vergessen zu leben. Tief in ihrem Herzen glauben sie, dass sie erst mit Partner glücklich sein können. Dass ihnen als Single etwas fehlt. Ich glaube nicht, dass Gott sich eine solche Haltung für uns wünscht. Er hat uns doch zu so viel mehr geschaffen! Er möchte, dass wir frei von allem sind, was uns negativ bestimmt, was unser Herz gefangen nimmt. Für ihn sind wir als Individuum unglaublich wertvoll. Er möchte die Welt jetzt durch uns zu einem besseren Ort machen. Nicht erst als „Frau von Soundso“.
Ich habe keine Lust auf der Wartebank zu sitzen. Ich will eine Frau sein, die ihr Leben, und gerade auch ihre Zeit als Single, aktiv für Gottes Reich nutzt. Denn seien wir mal ehrlich: In der Lebensphase als Single hat man einfach viel mehr Freiheit, um das zu machen, was Gott einem aufträgt. Ich will eine Frau sein, die ihre Freiheit nutzt, um Gott immer näher zu kommen. Ich will eine Frau sein, die aus der Liebe zu Jesus Kraft schöpft. Die, aus dieser Liebe heraus, der Welt von ihrem Jesus erzählt.

Mein Wunsch nach Partnerschaft ist trotzdem nicht einfach verschwunden. Und das ist okay, sogar natürlich. Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass ich entspannt und glücklich bin. Mit mir und mit Jesus. Denn er ist der Mann, der mit mir durchs Leben geht. Mein Fokus liegt auf ihm und nicht darauf, einen Partner zu finden. Ich bin der festen Überzeugung, dass man erst für eine Beziehung bereit ist, wenn man mit sich selbst, als Single, zufrieden ist. Wenn man keine Beziehung braucht, um glücklich und erfüllt zu sein. Wenn man keine Dates braucht, um sich gut zu fühlen. Ich bin dankbar, dass Gott mir das klargemacht hat. Auch wenn ich sicher noch nicht am Ende aller Erkenntnisse angelangt bin.

Was ich mir für uns Singles wünsche

„Oh take me back, back
All the way back
Oh take me back to my first love“

– Take Me Back by Maverick City Music

Ich finde es schade, dass in der christlichen Welt viel zu selten betont wird, wie wichtig es ist, glücklich und entspannt single zu sein. Diese Lebensphase als kostbar anzusehen. Es gibt zahlreiche Predigten, Seminare und Bücher über die Ehe – die super wichtig und gut sind, keine Frage. Aber es wäre schön, wenn dem Singlesein mehr Wert gegeben werden würde. Wenn Singles bestätigt und ermutigt werden würden. Wenn auch mal eine Predigt dem Leben als Single, mit all seinen durchaus positiven Facetten, gewidmet werden würde.
Ich wünsche mir für die Singles da draußen, dass sie viel bewusster durchs Leben gehen. Dass sie begreifen, welchen Schatz ihr Singlesein mit sich bringt. Dass sie von der Wartebank aufstehen. Dass sie aufhören, sich über ihr Alleinsein zu beklagen und anfangen, ihr Leben zu leben. Dass sie anfangen, intensiver mit Jesus zu leben. Dass sie ihren Fokus neu setzen. Auf das Ziel, Gott die Ehre zu geben, Jesus ähnlicher zu werden und sein Reich auf Erden zu bauen. Ich wünsche mir, dass wir miteinander anfangen, zu träumen, wie all das Wirklichkeit werden kann. Ich wünsche mir, dass sich unsere Gespräche nicht mehr so oft um unsere Sehnsucht nach Partnerschaft, sondern um die Sehnsucht nach unserem Papa im Himmel drehen.
Und für all die Momente, in denen ich das vergesse, vor lauter Selbstmitleid schnulzige chick flicks anschaue und mit meinen Freundinnen am Kaffeetisch über unsere missliche Lage als Single heule, wünsche ich mir, dass ich meinen Fokus wieder richtig setze. Dass ich mich an das erinnere, was wirklich zählt: mein Jesus.